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Was hat Wasserball mit Jogi Löw zu tun? - Zentralisierung im Jugendbereich

Wird im deutsche Jugendwasserball der Wettbewerb durch zu starke Zentralisierung kaputt gemacht? Peter Furmaniak, der in Wasserballkreisen vor allem unter dem Namen „Fummel“ bekannt ist, hat sich einmal die Mühe gemacht, seine Sicht auf die Dinge darzustellen. Er unterstützt seit Anfang der letzten Saison die Arbeit der Trainerin der U15 männlich des SV Blau- Weiß Bochum und musste selber schon miterleben, dass die Talente des Vereins abgeworben wurden und trotz des Wechsels Schule und Sport nicht unter einen Hut bekamen. Hier seine Worte und Überlegungen zu diesem Thema:



Als unser Fußballbundestrainer Jogi Löw in die Vereinswahl seiner Nationalspieler eingriff, z.B. „Poldi, verlasse Arsenal London“, „Mario Götze überlege, ob du bei Bayern bleibst“, etc., musste ich unwillkürlich an unseren Wasserballsport denken. Dabei stellte sich mir die Frage, ob es auch in unserer Sportart sinnvoll ist, Kräfte schon im Jugendsport zu kanalisieren und zu bündeln, oder ob es doch sinnvoller ist, die Jugendlichen bei gleichen oder ähnlichen Bedingungen in ihrem Heimatverein zu belassen. Hiermit möchte ich eine Diskussion für den Jugendbereich anstoßen, wie dies Frank Otto für die bundesdeutsche Spitze bei der Nationalmannschaft vor einiger Zeit durch sein Interview mit Waterpoloworld getan hat.

Um dieses Problem anzugehen, muss man sicherlich zwei Szenarien betrachten:
1. Das Wasserballinternat beispielhaft in Hannover, Chemnitz, Stuttgart, Potsdam, Würzburg.
2. Die Wasserballstützpunkte, wo die Kinder jeweils zum Training anreisen müssen.

Ein positiver Effekt, den ein Wasserballinternat haben kann, ist sicherlich die bessere Möglichkeit den Wasserballsport mit den schulischen Leistungen zu verknüpfen, da hier im Zusammenspiel Schule/Verein pädagogische Konzepte besser verfolgt werden können. Weiterhin wird durch einen zentralen Verein, bei dem alle guten Spieler spielen, unter hohem Konkurrenzdruck und auf einem höheren Niveau mit gleich guten Spielern trainiert, wodurch sich die Leistung der Kinder/Jugendlichen steigern kann. Außerdem sieht man, dass die Teams eingespielt sind, wenn sie auf bundesdeutscher höchster Ebene sich dem Wettkampf stellen.
Jedoch ist nicht zu vergessen, dass die Kinder und Jugendlichen vor allem durch Internaten, aber auch durch den Wechsel zu einem „Stützpunkt-Verein“ früh aus ihrem familiären Umfeld herausgerissen werden und dadurch oft Probleme entstehen können. Sollte ein Kind nicht für den Verein spielen, bei dem sich der Stützpunkt befindet, verliert es außerdem viel Zeit, um zur Trainingsstätte zu kommen. Weiterhin leiden auch die Vereine, die eine gute Jugendarbeit leisten. Sie verlieren immer wieder ihre besten Spieler, weil diese zu den größeren Vereinen, bei denen sich der Stützpunkt oder ein Internat befindet, wechseln, da man ihnen dazu rät. Dadurch, dass die Führungsspieler den Verein verlassen, hören dann auch häufig andere Spieler ganz auf. Dadurch geht wiederum die Leistungsbreite innerhalb der Ligen verloren. Durch diese Zentralisierung macht der Wettkampf, wenn man einmal ehrlich ist, doch für beide Seiten keinen Spaß mehr und bringt vor allem auch die Nehmervereine auf den unteren Ebenen um anspruchsvolle Spiele. Die Schere geht teilweise so weit auseinander, dass die Spiele nicht einmal mehr Trainingsspielcharakter haben.
Es stellt sich die Frage, ob diese derzeit extreme Zentralisierung im Jugendbereich auch wirklich die richtige Lösung ist: Würden nicht einige schwere Spiele auf nationaler Ebene mehr auch eventuell die Leistung der Spieler fördern? Hätten wir nicht vielleicht sogar ein paar mehr Talente, die derzeit untergehen, weil sie nicht bereit sind umzuziehen oder es zeitlich nicht schaffen, jeden Tag zum Stützpunkt zu fahren?

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